Dalai Lama bricht eine Lanze für das Kruzifix

Der Dalai Lama hat bei einem Besuch in Rom eine Lanze für das christliche Kruzifix gebrochen. Befragt nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, wonach Kreuze in einer staatlichen Schule in Italien die Meinungsfreiheit verletzten, zeigte das geistliche Oberhaupt der Tibeter wenig Verständnis. „Italien hat einen katholischen Hintergrund, und da ist es sehr wichtig, diese Tradition beizubehalten“, sagte der Dalai Lama.

„Wenn ich fremde Länder besuche, dann betone ich immer, wie wichtig es für jeden ist, dass er seine Traditionen bewahrt“, sagte der Dalai Lama. Er hob die Gemeinsamkeiten in den Zielen aller Religionen hervor und zeigte sich bereit, auch Papst Benedikt XVI. zu treffen. Er war zuvor vom Präsidenten des Abgeordnetenhauses, Gianfranco Fini, empfangen worden. Der Dalai Lama erschien mit dem für Tibet eintretenden US-Filmstar Richard Gere.

Der Dalai Lama (74) dementierte Gerüchte, wonach er an Krebs leide. Dies werde in China verbreitet, sagte er. Ärzte seien im Jahr 2008 „sehr beeindruckt“ davon gewesen, wie rasch er sich von einem Eingriff an der Gallenblase erholt habe. Wenn er schließlich sterbe, werde das zwar ein Rückschlag für Tibet sein, doch die im Buddhismus verwurzelte Kultur der autonomen chinesischen Region habe eine Kontinuität von Tausenden von Jahren. Peking interessiere sich aus politischen und nicht aus religiösen Gründen dafür, wer ihm dann nachfolge. Tibet wird immer wieder von Protestaktionen gegen Chinas Führung erschüttert, die oftmals brutal dpa
niedergeschlagen werden

Quelle: morgenpost.de

Der Dalai Lama war’s

Von Colin Goldner

Nein, nicht Gott war’s, wie jW gestern titelte, auch nicht Papst Johannes Paul II. hat Grenzöffnung, Mauerfall und DDR-Ende ermöglicht, sondern – törööö – der Dalai Lama. »Just an dem Tag«, wie er ausdrücklich betont, »an dem Egon Krenz gestürzt wurde«, also am 6.12.1989, habe er in Berlin eine Aussichtsplattform an der Mauer bestiegen: »Als ich dort oben stand, dicht vor einem noch bemannten Wachturm, reichte mir eine alte Frau eine rote Kerze. Bewegt zündete ich sie an und hielt sie empor. Und während sich die Menschen um mich herumscharten und meine Hände berührten, betete ich, daß das Licht des Mitgefühls und des Bewußtseins die Welt erfüllen und die Finsternis der Angst und Unterdrückung vertreiben möge.« Zu gemeinsamem Gebete traf der Dalai Lama anschließend die DDR-»Oppositionellen« Ulrike Poppe, Bärbel Bohley und Marianne Birthler. Auch mit Norbert Blüm und der damaligen Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth wurde das DDR-Ende herbeigebetet. Zudem stattete er vor 20 Jahren den Redaktionen von Bild und taz einen Besuch ab – ob dabei gebetet wurde, ist allerdings nicht überliefert.

Umso mehr verwundert, daß Seine Heiligkeit zur großen Mauerfallshow am Montag abend in Berlin nicht eingeladen war. Dieses Schicksal teilt er übrigens mit zahlreichen Bundestagsabgeordneten. Laut Jörg van Essen (FDP) soll es »großen Unmut« unter den Parlamentariern geben, weil sie nicht zu den offiziellen Veranstaltungen eingeladen waren. An einem solchen Tag hätte die Volksvertretung nicht außen vor bleiben dürfen, barmte der FDP-Politiker in der Passauer Neuen Presse. Allein, hätten die Abgeordneten wirklich so viele gute Gründe vorzuweisen wie der Dalai Lama, vor umgekippten Styroporelementen am Brandenburger Tor zu posieren? Haben sie so fleißig gebetet?

Quelle: jungewelt.de

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Ein „buddhistisches Christentum?“

Münster – Die großen Weltreligionen sind sich nach Einschätzung des Religionswissenschaftlers und Theologen Prof. Dr. Perry Schmidt-Leukel noch nie so nahe gekommen wie heute. Das Ergebnis sei Konfrontation, aber auch eine gegenseitige Durchdringung der Traditionen, schreibt der Wissenschaftler des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität in seinem neuen Buch „Transformation by Integration“.

Auf der einen Seite besäßen Religionen ein Konfliktpotenzial, bei dem sie sich wechselseitig als Bedrohung wahrnähmen. Auf der anderen Seite gebe es einen Prozess der gegenseitigen Durchdringung. „Begegnung und Dialog fördern ein besseres Verstehen.“

Immer mehr Menschen übernähmen Einsichten und Praktiken aus anderen Religionen für ihr eigenes Leben und bildeten „multireligiöse Identitäten“ aus, so Schmidt-Leukel. In seinem Buch konzentriert er sich auf die theologischen Probleme, die mit dieser Entwicklung verbunden sind. „Es macht wenig Sinn vor Synkretismus, also der Vermischung von Religionen, zu warnen“, unterstreicht der Wissenschaftler. „Solche Prozesse ereignen sich zurzeit in großem Stil. Hier bedarf es einer theologischen Neubewertung.“

Als Beispiel führt der Autor zentrale Fragen des christlich-buddhistischen Verhältnisses an. „Es gibt inzwischen sogar namhafte Theologen, die von sich beanspruchen, zugleich Christen und Buddhisten zu sein.“ Die Zukunft der Theologie und die Alternative zur religiösen Konfrontation liegt für Schmidt-Leukel darin, dass Religionen einander als Quellen echter Einsicht schätzen lernen. „Ihre Identität wird sich dabei wesentlich verändern.“

Quelle: westfaelische-nachrichten.de

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