Wie können Gottesdienste, Taufen oder Hochzeiten für Gehörlose gestaltet werden? Was bedeutet es für sie, wenn man sagt, der Glaube komme vom Hören? Mit diesen Fragen beschäftigt sich gerade die 24. internationale Konferenz des Päpstlichen Gesundheitsrates im Vatikan.
Unter dem Titel „Effata – Öffne dich! Gehörlose im Leben der Kirche“ sind noch bis Samstag rund 500 Fachleute und Betroffene aus 65 Ländern in der Synodenaula zusammengekommen.
Aus Deutschland ist Josef Rothkopf nach Rom gereist, der einzige gehörlose Diakon zwischen Flensburg und dem Bodensee. Als Übersetzer in die Gebärdensprache fungiert für den 59 Jahren alten Aachener Christian Enke, einer der wenigen deutschen Priester in der Gehörlosenseelsorge. Rothkopf, der im dritten Lebensjahr durch eine Erkrankung sein Hörvermögen verlor, ist als nebenamtlicher Diakon in Langerwehe tätig. Zugleich ist der Familienvater Generalpräses des Verbands der katholischen Gehörlosen Deutschlands, in dem etwa 3.500 Mitglieder organisiert sind.
Die Konferenz verfolge das Ziel, Gehörlosen in der Kirche mehr Aufmerksamkeit zu schenken und ihren Beitrag zur Verkündigung des christlichen Glaubens herauszustellen, hob Erzbischof Zygmunt Zimowski, Präsident des Päpstlichen Rates für die Krankenpastoral, am Donnerstag zur Eröffnung hervor. Unter den internationalen Fachleuten, die über medizinische, psychologische und seelsorgerische Aspekte der Gehörlosigkeit berichten, ist auch ein Wissenschaftler aus Deutschland: Frans Coninx, Professor für Audiopädagogik an der Universität Köln.
Zahl der Gehörlosenseelsorger geht zurück
Neben Christian Enke, der im Bistum Limburg für die Gehörlosenseelsorge zuständig ist, übersetzen bei der Konferenz noch mehr als ein Dutzend weitere „Dolmetscher“ das gesprochene Wort in die Gebärdensprachen, die englische, französische, italienische und spanische vor allem. Dieses sehr günstige Verhältnis von „Übersetzern“ und Gehörlosen stellt jedoch die Ausnahme dar. In Deutschland sei die Zahl der Gehörlosenseelsorger in den vergangenen Jahren stetig zurückgegangen, bedauert Rothkopf. Priester, die zudem selbst gehörlos sind, gebe es überhaupt nicht. Weltweit sind nach Angaben des Päpstlichen Gesundheitsrates 13 gehörlose Priester tätig.
Religiöse Inhalte für gehörlose Katholiken in Gebärdensprache zu übertragen, ist nicht immer leicht. Enke nennt ein Beispiel: Für Abraham, Moses, Paulus und Petrus etwa gab es in der deutschen Gebärdensprache bis in die 90er Jahre hinein nur eine Gebärde: Die gestische Andeutung eines langen Bartes. Für eine bessere Unterscheidbarkeit sorgte erst eine Anleihe aus der spanischen Gebärdensprache: Dort ist das Zeichen für Abraham der angewinkelte rechte Arm mit zusammengeballter Faust, der von der linken Hand umfasst wird. Hintergrund ist die Geschichte von der Opferung Isaaks durch seinen Vater Abraham, die in letzter Minute – Abraham hat das Messer schon erhoben – von Gott verhindert wird. Auch im ökumenischen Gespräch gibt es noch einige Verständigungsschwierigkeiten: den Heiligenschein als Zeichen für Heilige, eine Kreisbewegung über dem Kopf, gibt es nur in der „katholischen“ Gebärdensprache.
Eine Äußerung bei der Konferenz hat Rothkopf und Enke besonders gut gefallen: „Gott macht keine Fehler“, sagte ein mexikanische Lehrerin in ihrem Vortrag. Die einen sprächen eben Spanisch, Italienisch oder Englisch, und die anderen unterhielten sich in Gebärdensprache. Diese Vielfalt sei gut so. Später beten die Konferenzteilnehmer in der Synodenaula das Ave Maria zusammen: Hörende und Gehörlose, jeder auf seine Weise, laut sprechend, im Stillen oder gestikulierend, bis am Schluss die Gebärde steht, die für alle gleich ist: das Kreuzzeichen.
Quelle: domradio.de